» Reisebericht Jochen

22.04.2010

Nach einer Woche bangen und hoffen wegen des Vulkanausbruchs auf Island und der damit verbundenen Luftraumsperrung, ist es endlich soweit, wir sitzen in der Maschine nach Malaga.

Mit jeder Menge „Frontline“ und Fragen im Gepäck, genießen wir das ungewohnte Platzangebot in einem nur mäßig gefüllten Airbus A320 und versuchen ein wenig von dem Schlaf nachzuholen, der uns im Moment fehlt, denn an schlafen war in der letzten Nacht nicht zu denken.

Haben wir nichts vergessen? Haben wir die richtige Kleidung eingepackt? Wird mit dem Mietwagen alles klargehen? Für mich persönlich ist die wichtigste Frage jedoch die, wie ich mit dem, was mich dort erwartet umgehen kann.

Schließlich ist es eine Sache, 2 Hunde aus Spanien zu adoptieren, ungemein praktisch, man klickt etwas an, fast wie bei Ebay, und muß nichts weiter tun, als den kleinen Racker am Flughafen abzuholen, nachdem man die Vorkontrolle bestanden hat, oder ob man sie alle sieht, die es bis ins Refugio geschafft haben, vor denen aber noch ein langer Weg liegt, den nicht alle schaffen werden.

Schließlich bin ich, was meine Hunde betrifft, ein rechtes Weichei, und leide jedes Mal wie ein Tier, wenn ich sie für ein paar Tage abgebe, obwohl ich weiß, dass sie in der Hundepension, die einem Bekannten gehört, bestens aufgehoben sind, sozusagen einen 5-Sterne Urlaub machen.

Der Flieger landet planmäßig, wie steigen bei 14 Grad aus der Maschine, angenehm im Vergleich zu den 0 Grad heute morgen um 4.00 in Frankfurt.

Optimismus macht sich breit…wenn der Leihwagen jetzt noch eine Klimaanlage hat, kann das Abenteuer „Andujar“ weitergehen.

Und da hatten wir auch schon das erste Problem, das Lesegerät von Sixt konnte die Kreditkarte nicht lesen und Bargeld wurde leider nicht akzeptiert. Nach einer Stunde schwitzen und feilschen war ein anderer Vermieter gefunden, der sich über unsere Euro freute und endlich ging es auf hervorragend ausgebauten Straßen Richtung Norden. Nach zweieinhalb Stunden waren wir dann am vereinbarten Treffpunkt, riefen Marga an, die auch nach fünf Minuten auf der Bildfläche erschien, und zehn Minuten später waren wir im Refugio.

Als erster begrüßte uns Almendron, die Security sozusagen, der Tag und Nacht frei auf dem Gelände läuft und nur zu den Zeiten in den Zwinger kommt, in denen die anderen Hunde Freilauf haben.

Mit seinem ausgeprägten Schutztrieb die ideale Besetzung für diesen Job und trotzdem eine Seele von Hund. Nach zwei Leckerchen war es dann auch Liebe auf den ersten Biss und wir konnten uns frei auf dem Gelände bewegen.

Nachdem wir die Container besichtigt und unsere Koffer ausgeladen hatten, ging es zu den Zwingeranlagen, von denen sich auch das eine oder andere deutsche Tierheim eine Scheibe abschneiden kann.

Was die Leute vom Refugio“ mit der Unterstützung der „Pfoten“ hier geleistet haben, hat einen sehr hohen Stellenwert, muß man doch bedenken, dass alles hier ohne einen € öffentliche Gelder und in der Freizeit gebaut wurde. Noch dazu in einem Teil Europas, in dem das Wort Tierschutz nicht gerade mit goldenen Lettern geschrieben wird.

Als erstes ging es in die Kinderstube zu den Welpen, oder besser gesagt zu den Halbstarken, Babys waren nicht darunter. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, das ich überrascht war, wie viele der Hunde Iris sofort erkannte und über sie Bescheid wusste, da hatte jemand seine Hausaufgaben gemacht.

Direkt nebenan wohnen Cornelius und Osso, die beide mit gesundheitlichen

Problemen zu kämpfen haben. Cornelius, den ich mir bei weitem nicht so groß vorgestellt hatte, ist erst etwa ein Jahr alt und leidet an Demodekose, wobei man bei seiner Behandlung aber schon gute Fortschritte erzielt wurden. Die offenen Stellen am Körper sind zum größten Teil verschorft, heilen aber ab und auch Augen und Nase sind schon besser geworden, es geht zwar langsam, aber der Erfolg ist schon sichtbar.

Nachdem wir die Container in Beschlag genommen hatten und einem gemütlichen Abendessen, die spanischen Supermärkte sind klasse, ging um 9.00 das Licht aus, schließlich waren wir fast 40 Stunden auf den Beinen gewesen.

23.04.2010

Nach einer Nacht, in der tief und fest geschlafen wurde (sollten die Hunde gebellt haben, wurde dies nicht zur Kenntnis genommen), war man um 6.00 wach, der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.

Gegen 9.00, nach einem ausgiebigen Frühstück, kamen Marga, Juanji (ihr Mann), zwei der freiwilligen Helfer, Rebecca und Dani, und wir konnten mit der Arbeit beginnen. Iris, Marga, Rebecca und Dani übernahmen das reinigen der Zwinger,

wobei sogar die Wände täglich geschrubbt werden, hier wird Hygiene wirklich großgeschrieben. Die Welpen wurden aufs Gelände entlassen, und wer Wert darauf legt, seine Sonnenbrille, Zigaretten, etc. wiederzusehen, sollte sie nicht auf den Tischen vor den Containern liegen lassen, die kleinen Diebe können anscheinend alles gebrauchen. Juanji und ich versahen die Zwinger mit relativ engmaschigen Gittern, da passt auch wirklich keine noch so schlecht gelaunte Hundeschnauze durch, wenn man daran vorbeigeht.

Die Damen waren inzwischen mit der Reinigung durch und Osso bekam seine Physiotherapie, seine hintere Körperhälfte ist völlig kraftlos, er hat zwar noch Gefühl in den Beinen, kann aber aus eigener Kraft nicht mehr laufen. Hier wird wirklich zweimal am Tag mit ihm gearbeitet, und es ist rührend, zu sehen wie aufopfernd man sich hier um ihn bemüht.

Nachdem wir Männer mir der Arbeit an den Zwingern fertig waren, machten wir uns daran, mit der Motorsense rund um die Außengehege Ordnung zu machen.

Dabei ging der Nachmittag gut vorüber, und irgendwann nach dem Abendessen stellte ich zu meinem Entsetzen fest, das mir die Zigaretten ausgingen.

Na ja, sollte doch kein Problem sein, eben ins Auto, zum nächsten Supermarkt aber Pustekuchen, da werden in Spanien keine Zigaretten mehr verkauft, ebenso wenig an Tankstellen.

Jetzt muß ich anmerken, dass gerade an diesem Tag Andujars größtes Fest anfing, das mehrere Tage dauert, die ganze Stadt ist in andalusischer Tracht auf den Beinen, es wimmelt von Pferden und Menschen…eine Mischung aus Oktoberfest und Rosenmontag und genau da waren wir auf der Suche nach einem Zigarettenautomaten. Was uns stattdessen über den Weg lief hatte vier Pfoten, braunes Fell und war in einem jämmerlichen Zustand, ein Podencowelpe, der zu niemandem zu gehören schien. Mit aufgeblähtem Wurmbauch, trüben Augen und hängender Rute taumelte der Kleine zwischen tausenden von Beinen durch, wurde ständig unachtsam weggestoßen, und nachdem wir uns das zehn Minuten angeschaut hatten, um sicherzugehen, dass er niemandem gehörte, und der Kleine dann auch noch fast von einem Lkw überfahren worden wäre, gab es nur eines, er wurde auf den Arm genommen, Iris rief Marga an, um sie vorzuwarnen, und dann mit dem Hund über der Schulter zum Auto und ab ins Refugio. Sowas kann auch nur uns passieren. Man will Zigaretten holen und kommt mit einem Waisenhund nach Hause. Na ja, Marga hat uns den Kopf nicht abgerissen, im Gegenteil, sie fands lustig. Der Kleine (Marga schätzt ihn so auf sechs Monate), bekam eine Wurmkur, wurde erstmal in Quarantäne gesteckt und sinnigerweise auf den Namen seines Finders getauft, jetzt heißt der arme Kerl genau wie ich…..

Er hat allerdings eindeutig mehr Haare.

24.04.2010

Auch in dieser Nacht konnten wir durchschlafen, und machten uns frühmorgens, bevor jemand der hiesigen Hundefreunde auftauchte, an die Arbeit. Als kurz darauf die Mannschaft auftauchte, hatten wir eines der Außengehege schon entunkrautet, der Firma Stihl sei gedankt. Bei den Helfern handelte es sich übrigens um zwei Marias und die Jungs hießen beide Jose, alle vier supernett und bereits über unseren Fundhund informiert, der auch sofort in die Welpenkrabbelgruppe umziehen durfte.

Ich muß hier noch mal sagen, wir erstaunt und begeistert wir waren, wie gut Marga die Versorgung der Hunde organisiert hat, und wie professionell und Hand in Hand die Leute arbeiten.

Iris und ich schnitten jetzt außerhalb der Freiläufe Unkraut und nach und nach trafen noch mehr Helfer ein, allerdings mit Getränken und Kühltaschen bewaffnet, Marga und Juanji hatten eine Grillparty für uns organisiert. Wir konnten uns über alle Sprachbarrieren hinwegsetzten und hatten an diesem Nachmittag richtig Spaß. Ich kann sagen, dass wir hier wirklich Freunde gefunden haben.

Gegen Abend fiel uns dann auf das der kleine Pirata, ein ca 4 Monate alter Galgojunge, den man neben seiner erschlagenen Mutter gefunden hatte, völlig apathisch im Zwinger lag. Er bekam sofort Medis gegen sein Fieber und Iris und ich erklärten uns gleich bereit, den kleinen Kerl bei uns schlafen zu lassen, damit er unter Kontrolle war.

Nach wir es in der Nacht dreimal nur mir knapper Not geschafft hatten, rechtzeitig Gassi zu gehen, der Kleine musste erbrechen und hatte Durchfall, durfte er dann bei mir im Bett nächtigen, damit ich gleich merkte, wenn er unruhig wird.

25.04.2010

Am nächsten Morgen dann die nächste Hiobsmeldung, Asuzuena, ein ganz süßes braun-schwarze Mischlingsmädchen, hatte es noch schlimmer als Pirata erwischt.

Marga und Iris packten die beiden sofort ins Auto und machten sich auf den Weg in die Tierklinik im 80 Kilometer entfernten Cordoba. Die Stimmung war sehr gedrückt, als wir anderen weiterarbeiteten, und nach zwei Stunden erhielt ich von Iris den Anruf, dass das Mädchen es nicht geschafft hatte, sie war noch auf dem Behandlungstisch an einem Herzstillstand gestorben.

Es ist schon schlimm, zu lesen, wenn wieder ein Welpe über die Brücke gegangen ist, aber wenn man das kleine Fellknäuel noch ein paar Stunden vorher im Arm hatte, bricht es einem das Herz. Juanji und ich hoben ein Grab für die Kleine aus, und beerdigten sie , als die Frauen wieder da waren.

Auch dem kleinen Pirata ging es mittlerweile immer schlechter, das Fieber wollte nicht sinken, er fraß und trank nicht, hatte starken Durchfall und musste ständig erbrechen.

Mehr gibt es von diesem Tag nicht zu berichten, ich würde ihn gerne aus meiner Erinnerung streichen, wenn das möglich wäre. Manche Dinge kann man aber leider nicht vergessen. Bleibt noch zu erwähnen, das der Kleine diesmal in Iris Armen schlief, und wir wieder eine ziemlich unruhige Nacht hatten.

26.04.2010

Das morgentliche Fiebermessen war ein kleiner Lichtblick. Die Temperatur war in der Nacht gesunken aber der Junge war so schwach, dass er weder essen noch trinken konnte. Ich packte Marga, Iris und Pirata in den Leihwagen und wieder ab nach Cordoba, wo der Kleine noch mal untersucht wurde.

Ich weiß nicht, obs an der voll aufgedrehten Klimaanlage im Auto lag, oder ob er einen Schutzengel im Hundehimmel hat, aber die Temperatur war fast normal, die Nase kalt und feucht ( ich weiß, das heißt nichts), aber man klammert sich an jeden Strohhalm. Er muß erstmal zur Beobachtung in der Klinik bleiben, aber ich habe ihm, bevor wir gegangen sind, noch versprochen, dass er ein Zuhause in Deutschland hat, wenn er sich Mühe gibt, gesund zu werden…..das wäre dann Nr. 5…..

Zurück in Andujar installierten Juanji und ich noch eine Videoüberwachungs-

anlage und Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern im Eingangsbereich des Grundstücks. Danach ließen wir es gut sein, es war einfach zu heiß zum arbeiten, und auch die Hunde blieben in den Zwingern, wo es durch die Sonnen-

dächer deutlich kühler war als in den Ausläufen. Wir haben jetzt 20.30, und die Temperatur unter dem Sonnendach vor den Wohncontainern beträgt immer noch 30 Grad.

27.04.2010

Nach einer ruhigen Nacht, standen wir wieder um 7.00 auf um weiter in den Ausläufen zu arbeiten. Ich war auf dem Weg zum Werkzeugcontainer, als Iris mich zurückrief. Im einem der großen Zwinger hatte es in der Nacht wohl eine Beisserei gegeben, und der arme Gerard lag mit durchbissener Kehle tot da.

Es war ein Riesenhund, nicht so wuchtig wie Almendron, aber ein richtiger Riese und einer der gutmütigsten Hunde, die man sich vorstellen kann. Er konnte sich den ganzen Tag auf dem Gelände frei bewegen, da er keiner Fliege etwas zu leide tat. Sein Tagesinhalt bestand darin, nach Essbarem zu suchen und hier und da mal an den Blumen zu riechen. Am Abend vorher hatte er Iris noch ihren Milchkaffe weggetrunken, darauf war er völlig wild.

Jetzt lag diese Seele von Hund tot im Zwinger und wir mussten Marga anrufen und ihr die schlimme Nachricht überbringen.

Marga hatte Gerard mit seinen Geschwistern im Alter von drei Monaten aufgenommen, und er war einer ihrer Lieblinge gewesen und sie war völlig aus der Fassung, die Arme. Wir brachten den Großen zum Friedhof, wo wir in der steinigen, harten Erde schon wieder ein Grab ausheben mussten.

Während wir bei Asuzuela wussten, dass sie um ihr Leben kämpft und wir mit dem Schlimmsten rechnen mussten, war der Tod von Gerard wie ein Schlag ins Gesicht für jeden hier. Die Arbeit wurde wortlos verrichtet, man sah nur versteinerte Gesichter weil jeder den großen, lieben Teddybären geliebt hat.

28.04.2010

Der heutige Tag sollte einer der heißesten des Jahres werden. Also fingen wir schon um 7.00 mit unserer Arbeit an, um den Nachmittag genau wie die Hunde im Schatten zu verbringen.

Das ist die Temperatur morgens um 10.00 im Schatten, wir hatten am Frühen Nachmittag in der Sonne 50 Grad……

Iris kümmerte sich um den Zwinger der Welpen, und die Wohnung von Osso und Cornelius, Jose und eines von den Mädels übernahmen die anderen Aufgaben und um 13.30 konnten wir wirklich in den Schatten flüchten. Der Lichtblick des Tages war die Mail von Marga, dass der kleine Piratinio endlich wieder angefangen hat zu fressen. Bevor es morgen zum Flughafen geht, werden wir ihn noch einmal in Cordoba besuchen und ihm Mut machen.

Bleibt noch anzumerken, dass Achim, mein Fundhund ein richtiger Prachtkerl geworden ist in den letzten Tagen. Er ist absolut verträglich mit den anderen Welpen und darf in der nächsten Woche, wenn nichts dazwischenkommt zu den Erwachsenen umziehen…ein bisschen stolz ist man da als Ziehvater schon.

29.04.2010

Letzter Tag in Andujar…..

Nach dem Frühstück noch einmal nach Cordoba in die Tierklinik, den kleinen Pirata besuchen und uns von ihm verabschieden. Es geht dem Jungen ganz erbärmlich, er hat wieder erbrochen, immer noch Durchfall und liegt apathisch in seiner Box, ein Anblick zum heulen.

(Mittlerweile geht es ihm besser, er ist bis zu seiner Genesung bei Marga eingezogen und sie hofft, dass er im Juni nach Deutschland kann.)

Nachdem wir wieder im Refugio sind, steht Koffer packen und Abschied nehmen auf dem Programm. Der letzte Weg führt mich zum Welpenzwinger.

Am liebsten würde ich alle ins Handgepäck stecken, so wie sie da mit großen Augen am Gitter stehen und auf ihre Leckerchen warten, aber die Gewissheit, dass es den Hunden hier gut geht und sie eine reelle Chance haben, nach Deutschland vermittelt zu werden, macht den Abschied etwas leichter. Trotzdem fällt es unglaublich schwer, von hier wegzugehen.

Marga und Juangi begleiten uns den weiten Weg nach Malaga, da wir als Flugpaten Rober, ein braunes Wuschelding aus dem Refugio, und Laica, eine süße, schüchterne Hundedame von einer anderen Organisation, mit nach Frankfurt nehmen. Nach einem tränenreichen Abschied von Rebeca und Angelina, die heute Dienst haben und einem letzten Blick zurück geht es dann durch endlose Olivenhaine in Richtung Flughafen.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt nehmen wir dort noch Bobby, einem schlecht gelaunten Rüden und zwei Mietzekatzen in Empfang, alle von verschiedenen Orgas., wir hätten auch gleich nen Flieger chartern können.

Es wird Zeit einzuchecken und wir verabschieden uns von Marga und Juangi.

Wir haben selten so warmherzige und selbstlose Menschen wie diese Beiden kennengelernt. In nur einer Woche haben wir hier echte Freunde gefunden und eines ist gewiss, dies war nicht unser letzter Besuch im Refugio von Andujar.


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