Vergessene Pfoten e.V.
Nur mit dem Unmöglichen als Ziel kommt man zum Möglichen
8. Oktober 2026
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» Regenbogen


Anabella

✝︎ 17.06.2026

Anabella hatte keinen einfachen Start ins Leben. Als Jagdhündin aussortiert, kam sie ins Refugio und später nach Deutschland. Doch ihr erstes Zuhause hielt nur wenige Tage. Die sensible Pointerhündin wurde zurückgegeben und fand schließlich auf Clumberland ihr Für-immer-Zuhause.

Der Weg dorthin war schwer. Angst, Panikattacken und gesundheitliche Probleme stellten ihre Familie vor große Herausforderungen. Doch Aufgeben war nie eine Option. Mit Geduld, Verständnis und ganz viel Liebe durfte Ana endlich ankommen und für immer bleiben.

Im Laufe der Jahre wurde sie zu einem unverzichtbaren Teil ihres Rudels. Freundlich, sanft und immer bereit, anderen Hunden Sicherheit zu geben, eroberte sie die Herzen aller.

Nun musste ihre Familie Abschied nehmen von einer Hündin, die sie über alles liebte. Eine Hündin, für die sie einst ein Versprechen gegeben hatte – und dieses Versprechen wurde gehalten: Ana wurde nie wieder verlassen.

Lauf nun unbeschwert über die Wiesen hinter dem Regenbogen, liebe Anabella. Du hinterlässt eine große Lücke, aber auch unzählige kostbare Erinnerungen.

Mach's gut, wundervolle Ana.


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Anabellas Frauchen schreibt:

""Wenn Ana mal sterben würde, dann wird mich das ganz schlimm aus der Bahn werfen."
Das hatte ich schon vor einiger Zeit so ausgesprochen, aber bis dahin war es ein schwerer, steiniger Weg.

Ana wurde postwendend nach ihrer Adoption wieder zurückgegeben. Das war noch zu einer Zeit, in der wir uns durch solche Situationen noch sehr unter Druck haben setzen lassen und das aufgefangen haben, was andere verursacht haben. Ana kam zu uns war durch die Situation völlig überfordert. Ein relativ junger Pointer mit viel zu viel Energie, Hochsensibilität und kaum merklichem Denk- und Lernvermögen. Durch den Stress der Ausreise hatte sie plötzlich einen Leishmanioseausbruch, obwohl sie davor keinerlei Probleme mit dieser Erkrankung hatte. Postwendend zeigte sie dann auch ihr komplettes Repertoire an verhaltenstechnischen Schikanen, an denen wir zu zerbrechen drohten. Auch wenn wir ganz unten waren, waren wir uns dennoch einig. Wenn nicht einmal wir Ana aushalten, wo endet sie dann?

Als erste Maßnahme haben wir alles entfernt oder einfach nicht mehr ersetzt, was sie gefährdete. Sämtliche Einrichtungsgegenstände aus Leder wurden entfernt. Die schönen Hundebetten mussten weg und gegen Plastikkörbchen ausgetauscht werden. Nachdem sie sich umorientierte, verschwand alles aus Holz und Gummi aus unserem Wohnraum. Bis auf die Treppe gab es nichts mehr, was einen Wohnraum noch zum Wohnraum macht. Wir verabschiedeten uns von der Vorstellung, ein Wohnzimmer mit Sofa zu haben. Auch alle offenen Regale und Dekostücke verschwanden. Wir haben bis heute noch genau ein Schrankmodell, verschließbar mit Vorhängeschloss, das mehrfach in jedem Raum steht. Der Möbellieferant hat uns damals angesprochen, dass er für Händler auch andere Konditionen hätte, als für Privatpersonen, als wir schon wieder telefonisch unsere nächste Bestellung aufgaben. Der Feuerlöscher mit seinem attraktiven Schlauch verschwand auf einen Sonderplatz. Wir lernten erst einmal, aus welchen Materialien unsere Umgebung bestand und was noch wo fest verschraubt werden muss, damit die Hündin keinen Schaden nahm.
Da Ana vollends in Panik verfallen konnte und alles zerstörte, was sie berühren konnte, wechselten wir unsere Arbeitsstellen, damit immer jemand bei Ana sein konnte und sie keiner Panikattacke mehr ausgesetzt wurde, schon gar nicht, weil jemand ohne sie durch die Tür ging. Wir fühlten uns damals so alleine gelassen.

Bei all den Sorgen, die wir auf unseren Schultern trugen, wuchs die Zuneigung zu ihr. Fortschritte brauchten Monate, aber sie waren da. Jetzt, nach sechs Jahren des Zusammenlebens mit ihr, hinterlässt sie eine riesengroße Lücke. Wir hatten sie noch viele Jahre eingeplant. Zwei schwere Krebsoperationen überlebte sie. Irgendwann ist jedes Leben zu Ende. Niemand will sterben und am allerwenigsten kann ich meine Ana nun so kurz nach Miscis Tod innerlich gehen lassen. Ein Hund, der in jeder einzelnen Sekunde so präsent wie eine Feuerwehrsirene ist, lässt einen in ein tiefes Loch fallen, wenn er nicht mehr da ist. Ich liebe meine Ana ganz einfach. Ich habe mein Versprechen gehalten, sie nie mehr zu verlassen, egal wie schwer es ist. Und so habe ich ihr ihr wunderschönes Fuschelohr gestreichelt, während unsere Tierärztin in unserer dunkelsten Stunde bei uns war.

Ana nie auch nur den Hauch einer Aggression gegen Menschen und Tiere gezeigt. Sie war es immer wieder, die bei Zusammenführungen als erste beruhigend und freundlich auf den Neuankömmling einwirkte. Petunia verdankt ihre Adoption einzig unserer Ana.

Einen Tag vor ihrem Tod hat sie sich verabschiedet, ohne dass ich ihr Geschenk verstand. Ana lag friedlich schlafend in meinem Arm.

Im Moment fühlt es sich an, als stünde eine Colaflasche kurz vor dem Platzen, einsam schwimmend auf einem ruhigen See. Ich warte darauf, dass ich endlich weinen kann, um den Druck loszuwerden. Ich weiß aber auch, dass nach dem Heulen die Erinnerungen zu verblassen anfangen und ich möchte meine Ana nicht gehen lassen.

Liebe Ana, ein Sofa will ich gar nicht mehr, aber ausnahmsweise bitte, schick uns keinen weiteren Hund mit dem Charakter einer Atombombe, aber selbstverständlich warten wir auf einen Hund, der ein Körbchen genauso verzweifelt benötigt wie du einst. Für unsere Liebe gibt es keine Worte. Pass gut von deiner Wolke auf uns alle auf. Wir sehen uns wieder, ganz sicher!"