» Karl – Eine Mutmachgeschichte

„Am Ende wird alles gut. Und ist es noch nicht gut, so ist es noch nicht das Ende.“

Die Mutmach-Geschichte von Karl.

Neun Welpen, eine Mutterhündin. Einsam auf den Straßen Spaniens, stets irgendwo zwischen Flucht und verzweifelter Suche nach etwas Essbarem. So in etwa muss das Leben von Karli und seinen Geschwistern begonnen haben.

Ein Glück – Tierschützer konnten die Mutterhündin mit ihren Welpen mit viel Geduld sichern und so zogen sie gemeinsam im Refugio ein. Hier waren sie in Sicherheit und immer satt. Doch für die besonders wichtige Prägephase eines Welpen und die Entwicklung eines jungen Hundes ist ein Tierheim nicht der richtige Ort.

Die ersten beiden Jahre seines Lebens verbrachte Karli, damals noch Mango, im Refugio und sah zahlreiche Geschwister und auch seine Mutter in ihre Familien reisen. Er zeigte sich als verspielter Welpe, neugieriger Junghund und all seine bereits vermittelten Geschwister haben sich bei ihren Menschen zu fröhlichen, sensiblen Familienhunden entwickelt.
Für seinen Bruder, mit dem er bis zuletzt im Refugio zusammenlebte und der ihm dort viel Sicherheit gab, liefen bereits die letzten Schritte vor seiner Vermittlung und Ausreise an und so war schnell klar: Karli soll nicht als letzter Hund dieser großen Hundefamilie zurückbleiben, er soll unser Leben bereichern und so adoptierten wir ihn.

Sie alle kennen sicher die Worte: Hunde aus dem Tierschutz sind so dankbar.
Sicherlich sind sie das sehr oft. Aber es gibt auch diese besonderen Hunde, die viel Zeit brauchen, um sich an ihr neues Leben, welches sie sich nie aussuchten, zu gewöhnen. Und wenn Sie bis hier hin gelesen haben und sich für die Adoption eines Hundes interessieren, sollten Sie weiterlesen.

Die erste Zeit nach Karlis Ankunft war schwierig für ihn. Die vielen Eindrücke des Lebens machten ihm Angst. Es dauerte einige Wochen, bis nicht nur die gut gesicherten Schritte in den Garten möglich waren, sondern er auch allmählich außerhalb des Grundstücks seinen angsterfüllten, geduckten Gang ablegte. Mit Ruhe und Geduld machte er große Fortschritte, zu denen aber auch immer wieder kleine Rückschritte gehörten. Für uns alltägliche Dinge können für einen Hund, der Schlechtes, Ungewisses, oder auch gar nichts erlebt hat, erst einmal erschreckend sein. Der Weg über die Straße, vorbeifahrende Autos, Spaziergänger, das Flugzeug am Himmel oder die Geräusche auf dem Grundstück nebenan – alles für uns normal, für einen Hund aus dem Tierschutz aber unter Umständen neue und furchteinflößende Reize.

Karli suchte immerzu Schutz und Orientierung bei seinem Frauchen und entwickelte sehr schnell eine starke Bindung. Sein Herrchen hingegen machte ihm Angst. So wie alle anderen Männer, denen er begegnete. Am meisten fürchtete sich Karli aber vor dem Haus, geschlossen und ohne den freien Himmel über dem Kopf. Es dauerte lange, bis er nicht mehr bis zur Erschöpfung auf und ab lief, nach einem Ausgang suchte und verstand, dass Fenster- und Türgriffe abgeschlossen waren und er auch durch die Wand keinen Weg nach draußen finden würde. Wie erklärt man einem Hund, der womöglich noch nie ein Haus betreten hat, dass dies nun sein sicheres Zuhause ist? Karli wusste nicht, dass die kuscheligen Liegeplätze für ihn bestimmt waren. Woher auch? Er kannte nur den harten Boden des Tierheims. Es dauerte Wochen und Monate, bis er sich an ein Leben mit uns im Haus gewöhnte. Er wollte mit uns leben, aber er wollte gleichzeitig nicht in dieser neuen Umgebung mit den vielen Eindrücken sein. Geräusche, die er nicht sah, warfen ihn zurück. Die Angst vor allem, die Unsicherheit im Haus und die Sicherheit an der Seite seines Frauchens führten dazu, dass er Trennungsangst zeigte. Er ertrug es nur mit kleinschrittigem und langwierigem Training und harten Rückschlägen, ohne sein Frauchen im Haus zu bleiben. Auch die souveräne Hündin an seiner Seite konnte ihm nicht helfen. Er brachte uns oft an unsere Grenzen und nicht nur einmal dachten wir, wir müssten aufgeben. Zwei Schritte vor, einer zurück – doch auch so wird man das Ziel erreichen.

Mit Hilfe der Vergessenen Pfoten, Trainern und Tierärzten schaffte Karli es, sich auf sein neues Leben einzulassen. Was uns geholfen hat? Rat suchen. Verschiedenste Anlaufstellen aufsuchen, auf das Herz hören, sich das rauspicken, was man für sich und seinen besonderen Hund gebrauchen kann – denn nicht jeder gutgemeinte Rat wird Ihnen helfen und je mehr Menschen Sie fragen, umso mehr Meinungen werden Sie hören.
Eine Eingewöhnung dauert, Gewöhnung dauert, unsere Hunde benötigen Vertrauen, Geduld und Sicherheit. Der wichtigste Faktor: Zeit.
Es war ein gefühlt ewiger Weg, aber heute, über 1,5 Jahre später, ist der Tag, an dem wir ihn einen „normalen Hund“ nennen. Er ist sensibel, er ist fremden Menschen gegenüber zurückhaltend, er hat aber gelernt, Unsicherheit zu kompensieren. Immerzu entwickelt er sich weiter. Er ist ein „Papahund“ geworden, er zieht das Haus dem Garten vor, er liebt sein Zuhause und seine Menschen, er begleitet uns in Urlaube und an fremde Orte.

Es gibt diese besonderen Hunde, die nicht vor Dankbarkeit übersprudeln und die mehr Zeit brauchen als andere Hunde.

Ich schreibe Karlis Geschichte auf, weil er ein mutmachendes Beispiel dafür ist, was es für einen Hund aus dem Tierschutz bedeuten kann, im Leben anzukommen. Die Hunde wissen nicht, dass sie gerettet wurden. Sie wissen nicht, dass ein weiches Bett so viel besser ist als der harte Boden. Für diese Hunde war woanders ihr Zuhause. Wir bringen sie in ein neues Leben, welches sie sich nicht ausgesucht haben, und wir sind verantwortlich dafür, sie dabei zu begleiten. Uns half es in verzweifelten Momenten, uns vor Augen zu führen, wie viel der Hund schon geschafft hat, wie viel er gut macht und wie wenig noch nicht klappt.

Die Menschen, die damals zu uns sagten, so ein Hund sei ohne Mensch in der Wildnis besser aufgehoben, die Menschen, die sagten, er würde sich nie ändern, er sei ein Beispiel dafür, dass Tierschutzhunde nicht normal seien, diese Menschen sind heute still. Es macht uns stolz, dass Karli es allen gezeigt hat. Er ist heute ein Hund, von dem viele träumen.

Wer bis hierher gelesen hat, dem sei versichert: Es wird sich lohnen und es wird sich auszahlen. Bitte nehmen Sie Zeit und Hilfe an, statt den Hund aufzugeben, für den Sie sein Leben sind.


Bitte hilf mir!

Bryan benötigt Hilfe




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